November 2020

Meine Arbeit als Dauernachtwache

Mein Name ist Christina Fuchs und ich arbeite seit der Eröffnung in der Casa Vivimus in einem Teilzeitpensum als Dauernachtwache.

Wenn ich erzähle, dass ich als Dauernachtwache arbeite, werde ich oft mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und Mitleid angeschaut. Viele können sich nicht vorstellen, dass man sich freiwillig dafür entscheidet.

Ich hatte schon immer grosse Mühe mit der Frühschicht. Das frühe Aufstehen bereitete mir Kopfzerbrechen, ich litt unter Schlafproblemen, weil ich Angst hatte, dass ich verschlafen könnte. Dies ist leider auch mehrmals vorgekommen. Zudem entsprach das frühe Aufstehen nicht meinem körpereigenen Rhythmus. Ich war zum Dienstantritt einfach nicht fit. Da ich nachtaktiv bin, entschloss ich mich vor einigen Jahren eine Stelle als Dauernachtwache anzunehmen. Die Entscheidung bereue ich nicht.

Die Arbeit im Nachtdienst ist sehr verantwortungsvoll, man ist auf sich alleine gestellt und kann bei Entscheidungen niemanden fragen. Zudem bin ich alleine für die Sicherheit zuständig. Der Job setzt ein gesundes Mass an Selbstvertrauen und einige Jahre Berufserfahrung voraus.

In der Nacht treten bei den Bewohnerinnen und Bewohnern medizinische Notfälle, Stürze und Zustände der Verwirrtheit auf. In diesen Situationen muss ich mit kühlem Kopf und ruhiger Hand die bestmögliche Entscheidung treffen. Die Sicherheit hat dabei oberste Priorität.

Meine Arbeit in der Nacht gefällt mir sehr, ich bin konzentrierter und die Begegnungen sind vertrauter als tagsüber. Oft habe ich mehr Zeit als im Tagdienst und erfahre in persönlichen Gesprächen viel über die Biographie und das Leben der Bewohnerinnen und Bewohner. Diese Gespräche sind für mich sehr bereichernd.

Meine Sinne haben sich durch die langjährige Nachtarbeit geschärft. Als Nachtwache muss ich körperlich fit und seelisch stabil sein. Ausserdem muss ich meine sozialen Kontakte bewusst pflegen, meine Freizeit nutzen und auf mein Körpergefühl hören.

Die Nachtarbeit hat für mich auch viele Vorteile. Ich habe frei, wenn andere arbeiten und kann dann meine Termine wahrnehmen. Durch die gesetzlich vorgeschriebene Kompensationszeit habe ich mehr Freizeit als andere.

Wenn ich doch mal müde bin, hilft ein Kaffee und die Vorfreude auf einen kurzen Schwatz mit meinen Kolleginnen und Kollegen beim Schichtwechsel um 07.00 Uhr.

Christina Fuchs, Nachtwache Casa Vivimus

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